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| 9LØ W | ||||
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(Source: World Fact Book) |
![]() National flag of Sierra Leone |
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Unsere DXpedition nach Sierra Leone 2008 |
In diesem Jahr ging es nach Sierra Leone. |
Das afrikanische AbenteuerEin sehr persönlicher Bericht über unsere DXpedition nach Sierra Leone |
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Kofferpacken war diesmal nicht angesagt, dafür kam alles in eine Alukiste, die schon in der ganzen Welt herumgereist war. Der Klappdeckel mußte immerhin richtig runtergedrückt werden, um ihn überhaupt schließen zu können. Dafür konnte ich aber mit 2 Schlössern aufwarten, für die ich sogar die Schlüssel gefunden hatte. Das war immer ein Problem mit den Schlössern; sie erstens zu finden und dazu zweitens noch den passenden Schlüssel. Aber irgendwie war mir das Glück hold geblieben in Form des reinen Zufalls, daß ich die Schlüssel fand. Jedenfalls hatte ich am Montag alles zusammen einschließlich der Reisedokumente, des Geldes und der Reiseschecks, denn in Sierra Leone ist Kredit- oder Scheckkarte eine weitgehend unbekannte Größe. Und so konnte die Reise nach Frankfurt losgehen. Den Abend verbrachte ich bei Verwandten meiner Frau, wo ich auch das Auto lassen konnte, und fuhr am nächsten Morgen mit dem Taxi zum Flughafen. Beim Einchecken gab es die üblichen Prozeduren. Ich war um ein paar hundert Gramm unterhalb der Gepäckgrenze geblieben. Aber bei der Sicherheitskontrolle wollte man doch Computer und Funkgerät sehen. Der Start nach Brüssel verzögerte sich um eine dreiviertel Stunde, was nicht so gut war, denn ich hatte Angst um den Anschlußflieger nach Freetown. Doch alles lief glatt, und ich hatte sogar noch einen Gesprächspartner, der von Brüssel aus nach Ruanda und dann nach Burundi mußte. War jemand aus dem Entwicklungshilfebereich. In Brüssel konnte er mir noch helfen, denn mir passierte das Malheur, daß sich die Klappe meines Pilotenkoffers, in dem ich schon seit Jahren meine komplette Funkstation (ohne Antenne) durch die Weltgeschichte geschleppt hatte, aus den Nähten löste und abzureißen drohte. Aber glücklicherweise bekam ich vom Mitreisenden Afrikaexperten eine Rolle breites braunes Klebeband und konnte damit notdürftig flicken. Hat sogar bis wieder nach Hause gehalten. Ich glaube, ich muß mal zu einem Schuhmacher zur Reparatur. Leider befindet sich im gesamten Flughafen- und auch im Transitbereich nirgendwo eine Raucherecke, man auch nicht nach draußen konnte, weil man schon durch die Sicherheitskontrollen durch war. Soweit haben unsere Gesundheits- und Tugendterroristen ihre seltsamen Vorstellungen schon durchgeboxt, daß den Bürgern und Kunden nur noch Streß gemacht wird. Und dann wird uns immer erzählt, die Welt würde besser. Alles Quatsch! Aber ich traf mit meinen Mitstreitern zusammen. Nick, G3RWF, war rechtzeitig aus London gekommen, und Karl, DK2WV, der das alles angezettelt hatte, hatte den ersten Flieger aus München genommen. Zu dritt konnte man die Wartezeit noch etwas kurzweiliger gestalten, denn es gab doch einiges zu erzählen. Dann endlich war BOARDING angesagt, und los ging es. Der Flieger nach Freetown war nur halb besetzt, und ich hatte in der mittleren Sitzreihe alle Plätze für mich allein, sodaß ich mich dort langmachen und schlafen konnte. Das Essen mittags war die übliche Nahrung im Flieger, aber nicht schlecht. Dazu gab es je nach Wunsch Bier, Wein oder andere Getränke.. In erster Linie dient es wohl dazu, die Fluggäste bei Laune zu halten, damit es nicht allzu langweilig wird, aber etwas gegessen werden muß ja auch. Was hilft da noch? Wein. Der war nicht schlecht, und ich konnte sogar eine Flasche mit nach Freetown retten (für spätere Anlässe). Das unselige Rauchverbot galt auch hier, nur hatte man noch kein Parfümverbot eingeführt, das wäre wohl dringlicher. Eine sehr gut genährte Lady mittleren Alters, anscheinend aus einem arabischen Land, wälzte sich wiederholt durch den Gang zur Toilette und schob eine scheußlich stinkende Parfümwolke vor und hinter sich her, daß einem fast die Luft wegblieb. Leider ist das erlaubt. In Dakar, Senegal, gab es eine Zwischenlandung von etwa einer Stunde, wo die meisten Passagiere ausstiegen.
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Nach einem insgesamt sehr ruhigen, aber sehr geruchvollem Flug landeten wir endlich planmäßig auf der Freetown nördlich vorgelagerten Halbinsel, auf der sich der Flughafen Lungi befindet. Aber was erwartete uns? Wir kamen in das bekannte Tropenklima – Temperaturen um die 26 Grad, aber mit extremer Luftfeuchtigkeit. Da schwitzt man schon, wenn man daran denkt. Und es war natürlich schon stockduster. Im Abfertigungsgebäude des „International Airport“ herrschte das reinste Chaos, trotz der relativ wenigen Fluggäste, die in Dakar noch übriggeblieben waren. Eine fast unübersehbare Schar von Trägern bot sich an, das Gepäck zu tragen. Good friend I carry very cheap!“ Aber Vorsicht ist da geboten, denn das Gepäck kann schneller verschwunden sein, als man gucken kann. Eine registrierte Trägerschaft scheint es wohl nicht zu geben. Die erste Hürde in dem Land sind Zoll und Grenzkontrolle. Man sah es kaum, aber anscheinend wechselten einige Scheine die Besitzer. Na ja, wer weiß denn schon, wie gut oder schlecht die Bezahlung der Leute ist. Jedenfalls wollte man bei mir nur einmal in die Kiste schauen und technische Ausrüstung sehen. Die Steckerleiste, die oben auf lag, reichte aus, und ich bekam den üblichen gelben Kreidestrich. Das hieß, alles ok und durch.
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| Tatsächlich wartete auf uns ein kleines Empfangskomitee, bestehend aus Maria, der Schwägerin Karls, und einem afrikanischem Freund namens John. John war wirklich eine große Hilfe, denn er kannte sich sehr gut aus und wußte genau, was zu tun war. Er organisierte zwei Taxen für die Fahrt zum kleinen Fährhafen, von wo aus eine altersschwache Fähre, die sogar schon einmal griechische Tage gesehen haben mußte, uns nach Freetown bringen sollte. Zeit hatten wir genug, denn die Abfahrt der Fähre - sie konnte immerhin auch Autos mitnehmen – verzögerte sich aus irgendeinem Grunde um mindestens eine Stunde. John hatte Tickets für die erste Klasse gekauft. 1. Klasse bedeutete, daß das gesamte Gepäck in einen großen viereckigen Raum, der aussah wie ein Schuhkarton mit Fenstern und Türen, auf dem Oberdeck gebracht wurde. Dort wurde alles Gepäck ein einer Ecke gelagert, und die Passagiere konnten auf langen Holzbänken platznehmen. Die Fahrgäste der 2, Klasse mußten draußenbleiben, wobei das den Vorteil hatte, daß der Fahrtwind etwas abkühlte. In dem 1.Klasse-Schuhkarton waren große Lautsprecher aufgestellt, und ein Schwarzer, der sich zum Diskjockey berufen fühlte, produzierte einen ohrenbetäubenden Lärm. Schon deswegen war der Aufenthalt draußen angenehmer. Dort gab es auch Kleinigkeiten zu essen. Chicken, kleine gebratene Fleischstücke auf langen Metallspießen, Bananen und Kleingebäck wurden angeboten. | ![]() Pause vor dem Fährhafen (v.l.n.r. Maria, DL1YFF, G3RWF) |
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![]() Die Fähre beim Beladen (aus technischen Gründen tagsüber) |
Die ganze Szenerie wurde erleuchtet von starken Scheinwerfern, und man sah deutliche Spuren von Piekeisen (Rost), das sich überall breitmachte. Die Fähre hielt jedenfalls die Fahrt zum anderen Ufer durch, und nach etwa 45 Minuten legte sie in Freetown an. Und wieder schleppten ein paar Schwarze unser gesamtes Gepäck zum Auto, welches auf dem Parkplatz stand. Aber John hatte alles im Griff. Mit Müh und Not konnte alles Gepäck in dem großen Geländewagen verstaut werden, und zu fünft zwängten wir uns mit dazu. Inzwischen war es etwa 22:00 Uhr geworden, und wir hatten noch 2 Stunden Fahrt vor uns. Unglücklicherweise führte der einzige Weg durch die Innenstadt Freetowns, wo selbst um diese Zeit noch ein unbeschreibliches Verkehrschaos herrschte. Aber endlich hatten wir auch das geschafft, John kaufte am Stadtrand in einer der kleinen Ladenhütten ein paar Flaschen Wasser, und dann ging es auf die Straße, die zum Zielort Number Two River führte. Die Engländer hatten es sich seinerzeit einfach gemacht mit der Namensgebung: die Flüsse wurden einfach durchnumeriert.
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![]() Straße von Freetown nach River 2 |
Straße war geprahlt, vielmehr handelte es sich um eine ausgewaschene Piste, Dort, wo sich früher mal eine gute Teerstraße befunden hatte, gähnten jetzt zahlreiche Löcher und tiefe Querfurchen, die im Laufe der Jahre aufgrund der starken Regenfälle und mangelnder Instandhaltungsmaßnahmen entstanden waren. Teilweise trat auch der nackte Fels zutage. Die Straße sah aus, wie in vielen Ländern Afrikas Straßen aussehen: wenn nichts getan und gepflegt wird, dauert es nur relativ kurze Zeit, bis aus einer Straße ein Knüppeldamm wird. Letzten Ende schafften wir es aber doch noch, nach einer beschwerlichen Fahrt mit vielen Kurven und teilweise im Schrittempo das Gästehaus zu erreichen. Zu sehen war sowieso kaum etwas, denn es herrschte pechschwarze Nacht. Aber wir kamen an und genehmigten uns erstmal ein kaltes Bier. Maria und John verabschiedeten sich von uns und machten sich auf, denselben Weg nach Freetown zurückzufahren. Wir räumten flüchtig unsere Zimmer ein und legten uns schlafen. Das hatten wir uns hart verdient, dann wir waren alle schon seit frühmorgens auf den Beinen gewesen.
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Der nächste Morgen empfing uns mit einem strahlend blauen Himmel. Und es gab auf der Terrasse Frühstück: Papaya mit Limone beträufelt, Rühreier, frischen Orangensaft, Toast mit Butter und Marmelade (jam), dazu den obligaten Tee. Kaffee wäre Instantkaffee gewesen, und das wollten wir uns nicht antun. Nun, alles in guter britischer Tradition.
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Stationsaufbau
Nach dem Frühstück schlossen wir erstmal Bekanntschaft mit unserer Umgebung und beratschlagten die Standorte unserer Antennen. Karl packte seine 18m Groundplane von Spiderbeam aus und plazierte sie weit genug vom Haus weg in südlicher Richtung. Radials und Matchbox dran, Coax-Kabel an die Station und siehe, sie funktionierte. Nick arbeitete mit Dipol und beschäftigte 2 Mohren, die ihm auf dem Dach halfen, die entsprechenden Befestigungspunkte zu finden. Ich suchte alle Einzelteile für die HF9 von Butternut zusammen, und machte mich – faul, wie ich bin – bei heißem Tee und einer Pfeife an den Zusammenbau der Antenne. Das dauerte dann auch etwa 3 Stunden. Aber wozu Streß machen, wir waren ja nicht auf der Flucht. Schließlich hatte ich alle Teile in der richtigen Reihenfolge zusammengeschraubt und konnte die Antenne oberhalb des Hauses aufrichten und abspannen. Zu Hause hatte ich mir schon eine Platte hergerichtet, auf der alle Radials befestigt werden konnten. Immerhin waren das pro Band 4 Stück. Bis das alles entwirrt war, obwohl ich zuhause alle Drähte fein säuberlich zusammengepackt hatte, verging auch eine gewisse Zeit. Das ist ja meistens so: immer dieser lange Draht – der bleibt nie so liegen, wie man es gern hätte.
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![]() Hier bauen? - Platz war genug da |
![]() Und/Oder hier? Da kam auch die Frau mit dem Cassava (so ähnlich wie Spinat) |
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![]() Zusammenbau der Butternut-HF9 |
![]() Das war die Platte mit den Radials - pro Band vier Drähte |
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Karl suchte sich für seinen 12m-Spiderbeam-Mast den Standort seewärts. Der sollte für die langen Bnder ab 40m gebraucht werden. Sicherheitshalber gab es auch noch einen 2x20m-Dipol, der vom Dach des Hauses Richtung Nordwest zeigte und mit einer Hühnerleiter gespeist wurde. Dazu bedurfte es einiger Arbeiten auf dem Dach des Hauses, wo ein langer Ast als Aufhängepunkt befestigt wurde. Dazu hatten wir die tatkräftige Hilfe zweier Söhne des Besitzers Patrick, die sich sehr bemühten und fleißig mit anpackten. Auf der anderen Seite ging es ins Gelände, und dort wurd eine Stange als Aufhängepunkt eingepflanzt. Schließlich hing die ganze Konstruktion, und Karl konnte sich dem Aufbau seiner 12m hohen Angelrute widmen. Aufstellen, abspannen, Radials verlegen und Matchbox anschließen - ach, Koaxkabel nicht vergessen. Na ja, das alles funktionierte dann auch. Inzwischen war Nick mit auch mit seinem Kabelgewirr zurechtgekommen und konnte seinen langen Draht aufhängen. Der fand ebenfalls auf dem Dach seine Aufhängung am Wasserspeicher, glückliecherweise aber in einer ganz anderen Ecke. Jetzt mußten nur noch alle Speiseleitungen ins Haus, was sich nicht ganz einfach gestaltete, denn vor den Fenstern waren Holzrahmen mit Fliegengittern, damit die Moskitos nicht allzu leichtes Spiel hatten, ins Haus zu kommen. Aber irgendwie kriegten wir das mit den relativ dünnen Kabeln (kein RG-213) auch hin: ein Teil wurde unter der Tür verlegt, andere kamen durch das Fenster, was wir dann abends fast zuklappen konnten. |
![]() Arbeiten auf dem Dach |
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![]() Die Antenne ist für Nick |
![]() Nick bastelt an seinem Draht |
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Karls langes Rohr für 160 und 80m |
![]() Und das ist meine HF9 |
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![]() Hühnerleiter zu Karls Dipol... |
![]() ... und das ist seine Matchbox für die Groundplane |
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Und dann war ich mit RTTY QRV. Ich hatte mir vorgenommen, die ganze Zeit hauptsächlich in RTTY und PSK aktiv zu sein. Bei vielen Expeditionen läuft RTTY leider nur so nebenher oder in den letzten Tagen, weil man damit natürlich nicht die QSO-Rate erreichen kann wie mit CW oder SSB. DAs braucht alles schon etwas länger. Aber immerhin konnte ich trotz aller widrigen Umstände über 1100 QSO's ins Log schreiben. Der erste Eintrag war der - wie kann es anders sein - ein echter deutscher Rentner aus Thüringen, denn wer sonst kann um diese Uhrzeit morgens an seiner Station hocken (hi). Na ja, die restlichen europäischen Rentner können das auch, es sei denn, sie müssen gerade ihre Enkelkinder spazieren führen. Mit der sensiblen Endstufe hieß es, vorsichtig umzugehen,. Mehr als 300 Watt konnte ich in RTTY einerweits wegen der Dauerbelastung, andererseits wegen der besonderen klimatischen Bedingungen nicht machen. Wir hatten keine Klimaanlage, dafür aber einen großen Fan, der hilfreich war und die feuchte Luft durch die Gegend schaufelte. Somit war das alles einigermaßen erträglich. |
![]() DL1YFF beim RTTY - im Hintergrund G3RWF. |
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| Sierra Leone war in RTTY ziemlich nachgefragt, denn ich hatte gleich von Anfang an gutes Pileup und brauchte nur selten mal CQ zu rufen. Das meistens dann, wenn ich wegen des Andrangs trotz Split-Operation keine Station aufnehmen konnte. Die HF9-Butternut machte sich ganz gut, auch wenn unsere Signale nicht die lautesten waren. Aber ich wollte die kleine Transistor-PA nicht überanstrengen. 250 bis 300 Watt war so die Leistung mit dem Dauersignal. Ich wechselte ja nach Ausbreitung zwischen den Bändern 30m, 20m und 17m.
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Ausflug in die Landeskunde
Es war ausgemacht, daß wir in der Woche noch nach Freetown wollten, um noch ein paar Einkäufe zu machen und vor allem Geld zu holen. Also kam am Freitagmorgen John, um mich abzuholen. Die Straße nach Freetown ist die schlimmere Version eines Feldwegs. Jetzt bei Tageslicht war das ganze Ausmaß des katastrophalen Zustands zu sehen. Wenn die Drainagegräben beiderseits der Straße nicht in Ordnung gehalten werden und das Wasser in der Regenzeit nicht ablaufen kann, dann sieht eine Straße nach kurzer Zeit so aus. Man muß sich auch wirklich fragen, wo denn nun die Teerstraße, die es noch nach der Unabhängigkeit in den Sechzigern gab, geblieben ist. Sie ist einfach so verschwunden, hat sich vielleicht in Luft aufgelöst. Und das alles an einer der Hauptstraßen in Richtung Südosten zum großartigen Badestrand hin, wo sich an den Wochenenden halb Freetown tummelt. Wo sind all die Infrastruktur und die Gelder geblieben, die reichlich ins Land flossen. Man gibt sich einem frommen Selbstbetrug hin, wenn man glaubt, das wäre alles sinnvoll verwendet worden.
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![]() Hauptstraße Richtung Freetown |
![]() Piste durch den Urwald
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Wie dem auch sei, wir fuhren mehr schlecht als recht Richtung Freetown, wo ein tägliches Verkehrschaos herrscht, und fanden in der Nähe der Bank auch einen Parkplatz. Unterwegs war noch Maria, Karls Schwägerin, zugestiegen. Sie arbeitet schon seit Jahren in einem NGO-Projekt (NGO = Non Government Organisation) im Bereich Primary Education und kennt sich natürlich auch gut aus in der Stadt. Ich hatte meine Reiseschecks dabei, die schon seit 15 oder 20 Jahren zuhause ihr Dasein gefristet hatten, und wollte einen Teil umtauschen. Weder Scheck- noch Kreditkarte sind im Land bekannt, und selbst der Umtausch der Schecks gestaltete sich äußerst schwierig. Bei zwei Banken fragten wir vergeblich an, bei der dritten hatten wir schließlich Glück. Aber zunächst wurden wir dort von Pontius bis Pilatus geschickt, um endlich im zweiten Stock in der richtigen Abteilung zu landen. Dann kame die Angestellte, die sich um uns kümmerte, aber damit heraus, daß man ein Konto bei der Bank haben müßte für den Umtausch. Na ja, das Problem war relativ gering, denn John hatte dort ein Konto. Ich zeichnete die erforderlich Menge an Schecks nochmal gegen, und dann mußte der entsprechende Gegenwert in US-Dollar auf Johns Konto gebucht werden, wo er sie gleich wieder abhob. Das schlug nochmals mit 20 Dollar zu Buche. Der Umtauschkurs war auch schlecht genug, aber da John in der Stadt jeden kennt und man auf der Straße zu einem wesentlich bessern Kurs tauschen kann, nahm er das Geld und machte sich auf. Er hatte außerdem noch 100 englische Pfund von Nick dabei, der ebenfalls Bargeld brauchte. Nach einer Weile kam er mit einem dicken Packen von Leones – so heißt die Währung in dem Land – zurück, und ich verstaute den Schatz gut verteilt in meinen Taschen.
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| Zurück auf der Straße gab es natürlich die üblichen afrikanischen Geschäfte. Zu kaufen gibt es alles, was der Markt hergeben kann, aber wer etwas bestimmtes sucht, ist wohl einen ganzen Tag unterwegs, um es zu finden. Für den Touristen ist es fast unmöglich, sich dabei zurechtzufinden. Die Geschäfte selbst sind teilweise in den alten heruntergekommenen und verrotteten Häusern, bzw. den früheren Läden, und reichen mit ihren Auslagen bis weit auf das Trottoir, sodaß man jedesmal einen Bogen machen mußte, um daran vorbeizukommen. Dazu gibt es - meistens im informellen Sektor - noch die fliegenden Händler, die alles mögliche anbieten: Trinkwasser, in kleine Plastikbeutel verpackt, Biskuits, die ganz gut schmecken, Früchte und noch viele Dinge mehr, die meistens von Frauen in großen Schüsseln mit traumwandlerischer Sicherheit auf dem Kopf balanciert werden. Andere schieben Karren vor sich her, beladen mit Kokosnüssen, in die bei Bedarf mit einer großen Machete eine kleine runde Öffnung geschlagen wird, aus der man die sogenannte Kokosmilch trinken kann. | ![]() Hier gibt es Kokosnüsse en masse |
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Eigentlich ist das keine Milch, sondern nur Wasser, was die Nuß dort ansammelt. Auf jeden Fall ist das sauberes Wasser, was man bedenkenlos trinken kann. Es kann sogar in Notfällen für medizinische Infusionen benutzt werden, denn es ist absolut steril. Anschließend wird die Nuß in zwei Hälften geteilt und das Fruchtfleisch herausgenommen. Dann hat man auch noch zu essen.
Natürlich gibt es auch kleinere Warenhäuser mit einem umfangreichen Warenangebot, wo man vom Babyschnuller und Klopapier bis hin zu Kühlschränken und modernsten Fernsehern alles kaufen kann. Sie sind meistens in libanesischer Hand. Für die einfache Bevölkerung sind diese Läden in der Regel unerschwinglich. Für diese Klientel gibt es die Straßenhändler. So sieht es mitten in Freetown aus. |
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![]() Eisenwaren |
![]() Haustextilien und Teddys |
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![]() Gemüse und Flip-Flops |
![]() Händler mit Dachgepäckträger |
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![]() Diese Bisquits sind lecker. Links steht John. |
![]() Bei Madison Enterprises gibt es sogar Stihl-Motorsägen |
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| Das Warenangebot ist aber, wie man auf den Bildern sehen kann, scheinbar großenteils ein völliges Durcheinander. Will man ein Produkt mehrfach in derselben Ausführung haben, wird das schon schwierig. Das ist, als ob irgendwo irgendwelche Restposten aufgekauft wurden und hier verhökert werden. Aber es gibt alles zu kaufen, was man so zum täglichen Leben braucht. Das moderne Kommunikationszeitalter hat aber auch in diesem Land Einzug gehalten. Wohin man auch blickte, sah man überall riesige Reklamewände von Telefonanbietern, die den Bürgern eine tolle Kommunikationswelt verheißen. Selbst die ärmlichsten Figuren haben häufig ein mobiles Telefon (auf modern Deutsch Handy) in der Hand und sind am Telefonieren. Ich denke, es hat auch etwas mit Statussymbol zu tun. Jedenfalls sah man nirgendwo noch eine Telefonzelle. Dafür gibt es aber zahlreiche Internetcafés und Computerläden. Und die sind nicht bloß so da, nein, da sind auch Leute drin, die an den Geräten sitzen und wer-weiß-was tun. Während John in Geldgeschäften unterwegs war, kehrten Maria und ich in einer klimatisierten Cafébar ein, die meistens von Weißen frequentiert wird und mit einer internationalen Speisekarte mit verschiedensten Sandwichvariationen und anderen Snacks, die jeder versteht und dem europäisch-angelsächsisch-amerikanischem Geschmack entspricht, aufwartet. Die Preise haben aber auch europäisches Niveau, denn das Klientel scheinen hauptsächlich Angestellte der Botschaften und internationaler Organisationen zu sein.
Da wird automatisch erwartet, daß die genügend Geld haben. Bier und Cola trinkt man aus hygienischen Gründen besser aus der Flasche, Na ja, jedenfalls wurden wir ganz gut bedient, und nach einer Weile kam John mit Erfolgsmeldungen zurück und gesellte sich zu uns. Nachdem auch er sich gestärkt hatte, ging es wieder zurück zum River-2.
Auf der Rückfahrt kamen wir am Wahrzeichen des Staates vorbei, welches auch im Wappen verewigt ist. Das ist der Big Tree (ein Cotton Tree) mitten in Freetown, der schon mehrere Hundert Jahre alt ist und alle Kriege und Notzeiten überdauert hat. Mit meiner begrenzten Kameraausrüstung war es leider nicht möglich, den ganzen Baum vollständig zu fotografieren, immer waren irgendwelche Häuser im Wege. |
![]() Und hier gibt es noch Schuhe mitten auf der Straße
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![]() Töpfe und Pfannen, aus chinesischer Produktion |
![]() Und hier einmal über die Straße |
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Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich der Koch namens Joseph, der wirklich ganz erstklassig für uns sorgte und prima kochen konnte. Jeden Abend fragte er, was wir am kommenden Tag essen wollten. Fisch gab es täglich ganz frisch, weil die Fischerboote über Nacht draußen waren und morgens ihren Fang auf der Sandbank anlandeten. Joseph kaufte direkt bei den Booten, und so gab es Schwertfisch, Barrakuda, Hummer und sonstige Fische frisch auf den Tisch (Anmerkung: Hummer ist natürlich kein Fisch, hi). Geflügel stand auch auf dem Speiseplan, und bei Bedarf wurde auch eine junge Ziege geschlachtet. Tee (Beutel) gab es den ganzen Tag über, und die Milch bestand aus Trockenmilchpulver, weil flüssige Milch zu schnell verdirbt. Aber das Milchpulver im Tee ist immer noch besser als der Kaffeeweißer, den es bei uns zu kaufen gibt.
Hier ein paar Bilder.
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![]() Joseph, unser Koch, mit dem Abendessen |
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![]() Von hier kam der Fisch frisch auf den Tisch |
![]() Das Küchenhaus |
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![]() Und hier wurde gekocht
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Badezeit
Nachdem wir tagelang den Blick aufs Meer und auf den Strand genossen hatten, ging es für mich (Karl hatte die Gelegenheit schon öfters wahrgenommen) am Samstag zum ersten mal runter zum Strand und ins Wasser. An dem Tag war auf den Bändern so um 11:00 Uhr sowieso nicht viel los, sodaß wir uns eine kleine Pause leisten konnten. Schließlich sollte das alles ja auch nicht in Streß ausarten. |
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| Der Strand liegt etwa 100m Luftlinie entfernt, war aber nur auf einem kleinen Umweg durch die kleine Siedlung zu erreichen. Die Einwohner sind wohl meistens Fischer, denn sonst gibt es keine Arbeitsplätze in River Two. Irgendjemand hat auch ein Auto, was anscheinend auch für Fahrdienste gegen Bezahlung genutzt wird. Ansonstens gibt es etwas Subsistenzwirtschaft durch Ackerbau und ein paar Viecher - Hühner und Ziegen, welche die notwendige Milch (nicht die Hühner, hi) und Fleisch liefern, und manche Lebensmittel liefert auch der nahe Wald. Ein kleiner Kramladen ist in einer Hütte untergebracht, wo man Streichhölzer, Kerzen, Getränke und Konserven kaufen kann. Aber das krebst alles am Existenzminimum herum, denn viel Geld ist bei den Familien nicht vorhanden. Dafür gibt es aber reichlich Kinder (im Gegensatz zu Deutschland). Im Dorf sah man meistens Frauen. Wo die Männer waren, konnte ich nicht herausfinden. Auf den Frauen lastet sowieso - wie in vielen afrikanischen Ländern - die Hauptarbeit, denn sie müssen sich sowohl um die Kinder als auch um die Häuser und Gärten und Feldarbeit kümmern. Touristisch ist - vielleicht zum Glück für Natur und Landschaft - nicht viel los, denn es fehl eifach die Infrastruktur. Zwar gibt es eine Bar am Strand, wo man ein kühles Bier und afrikanisches Essen bekommen kann, aber unter der Woche ist meistens nichts los. Man mußte laut rufen, bis endlich jemand kam und etwas zu trinken brachte. | ![]() Hier geht es ins Dorf | |
![]() Palmweingewinnung
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![]() Nick (links) und Roland beim Landgang im Dorf
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![]() Gleich gibt es zu trinken und essen |
![]() Heute ist Waschtag im Fluß |
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| Der Strand war wie auf den Werbephotos in den Reisebüros. Wunderschöner weißer Sand, und das Wasser hatte bestimmt um die 27° C. Zum Streckenschwimmen ist das nicht so sehr geeignet, aber sich einfach aufs Wasser legen und von den Wellen hin und her schaukeln zu lassen, das war richtig schön und erfrischend. Die runde Bar war auch geöffnet, und dort konnte man für 4000 Leones eine Flasche Star-Bier kriegen. Star ist das lokale Bier, das es schon vor 40 Jahren gab, wie Nick wußte, denn er war seinerzeit schon mal für längere Zeit im Rahmen eines Freiwilligenprogramms vor Ort gewesen. Um die Mittagszeit gab es immerhin schon einige Besucher aus Freetown, die in den Stühlen saßen und sich die Sonne auf die Bäuche brennen ließen. Das war damals auch schon so; River Two Beach war die Erholung für die gestreßten Freetowner. Importbier kostete das Doppelte, schmeckte aber nicht doppelt so gut. Also reichte mir Star, und davon sowieso nur eine Flasche um die Tageszeit.
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![]() Fast menschenleer |
![]() Karl, DK2WV, Nick, G3RWF, Hans, DL1YFF (v.l.n.r.) |
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![]() Jede Sitzgruppe kostet 5000 Leones pro Tag. Dann paßt der Strandwächter auf. |
![]() Da kann man es gut aushalten! |
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Zurück im Gästehaus bestand das Mittagessen aus ein paar lokalen Bananen (sehr gut) und ein paar trockenen Biskuits, die ich der Biskuitfrau in Freetown abgekauft hatte. Unsere Bananenfrau - eine junge hübsche Schwarze aus dem Dorf oberhalb der Straße - kam immer mit einer großen, flachen Schüssel voll mit Bananen, die sie kunstvoll auf dem Kopf balancierte. Die Früchte waren zwar keine EU-gerechte Normklasse 1, schmeckten dafür aber umso besser. Jedes europäische Mannequin (auf neudeutsch model) gäbe sonstwas drum, wenn es einen solchen Gang hätte. Na, hier kann man sie sehen. Der Rest des Tages verlief mit Funkaktivitäten. Nick war mit seinem K3 meistens in CW zugange, ich konzentrierte mich hauptsächlich auf RTTY, und Karl kam vor lauter Basteln und Ausprobieren kaum zum Funken.
Malheur |
![]() Das Mädchen mit den Bananen |
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schwereres Problem aufgetan hätte, welches man mit den üblichen Bordmitteln nicht würde lösen können. Da auch kein Schaltplan existierte, weder von der PA selbst noch vom Netzteil, und wir deswegen die Sache nicht weiterverfolgen konnten, blieb mir nichts anderes übrig, als die PA wieder einzupacken und an die Seite zu stellen. Irgendwie müssen wir uns jetzt mit einer PA behelfen, die ich für RTTY anschließen muß. Gleichzeitig hatte sich auch mein Schaltnetzteil verabschiedet. Nichts ging mehr. Aber wir konnten bei der Generatorstromversorgung immerhin 295 Volt messen. Das war dann doch zuviel. Wir reklamierten beim Boss des Hauses, und da kam er damit heraus, daß er einen dicken Spannungsstabilisator in petto hätte. Etwas spät, oder? Wir hatten sowieso ständig Diskussionen wegen der Versorgung. Den Stabilisator haben wir ihm dann aber schleunigst abgeknöpft, um wenigstens für den Rest unseres Aufenthalts Ruhe zu haben.
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![]() Da liegt das Netzteil. |
Ich übernahm Karls PA, weil die andere nicht mehr funktionierte. Konnte jetzt auch wieder richtig QSO’s fahren. Ab und zu wurde auch mal nach PSK gefragt, aber jedesmal, wenn ich dort tätig werden wollte, kam nichts zurück. Es kann nicht daran gelegen haben, daß ich nicht zu hören war, denn in RTTY meldeten sich immer gleich ein paar Stationen, die man schön abarbeiten konnte. Falsche Einstellungen schließe ich ebenfalls aus, denn der eine oder andere meldete sich. Aber auf die Dauer wurde mir das alles zu langweilig, und mir klappten bei PSK dauernd die Augen zu. Da habe ich dann lieber wieder auf die RTTY-Schiene gewechselt. Ich konnte feststellen, daß zum RTTY-Betrieb die Endstufe unbedingt nötig war, denn ohne war ich wohl kaum zu hören. Und ich wollte dem Transceiver auch keinen Dauerbetrieb von 100 Watt zumuten. Also konnte ich nur die Leistung runterdrehen auf 60 bis 70 Watt, aber damit war ich wohl kaum mehr zu hören und wurde von anderen Stationen in Europa dauernd weggedrückt. Es war dagegen frappierend, wie schnell ein Pileup zustande kam, wenn ich mit Endstufe arbeiten konnte.
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Bei Karl war die Welt auch nicht ganz in Ordnung. Er hatte seinen nagelneuen K3 mitgebracht und wollte noch etwas mit den Filtern unternehmen, konnte das Gerät aber nicht aufschrauben, weil die wichtigste Schraube falsch im Gewinde saß. Wir versuchten alles, das Ding aufzukriegen, aber vergeblich. Irgendwie gab es dann aber doch eine Lösung für sein Problem, ich glaube, über die Software.
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![]() Karl bei Fehlersuche |
![]() Mitten im Innenleben |
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Karl kümmerte sich dann am Mittwoch doch nochmal um die kaputte Endstufe und brachte in seinem Kämmerchen das Kunststück fertig, sie wieder zum Laufen zu bekommen. Das war zunächst auch gut so, denn inzwischen war ja auch Roland, DJ4LK, aus Deutschland angekommen und wollte ebenfalls Funkbetrieb machen in SSB. Also reklamierte er Karls PA für sich. Na ja, das funktionierte ja auch, solange meine lief. Tatsächlich hielt sie auch einen ganzen Tag durch, und ich konnte doch nochmal richtig zulegen mit der Zahl der QSO’s sowohl in RTTY als auch in PSK. Inzwischen waren etwa 880 Verbindungen in RTTY im Log gelandet, und mein Ziel sind wenigstens 1000 bis zum Sonntag. Dann sollte abgebaut werden. Es gibt aber doch leider etwa 50 Doppelte bisher, denn manche Funkamateure müssen sich zwei- oder dreimal melden, weil sie Angst haben, nicht gehört worden zu sein. Und bevor ich mich auf stundenlange Diskussionen einlasse, ob sie nun doch im Log stehen, schreibe ich sie lieber nochmals hinein und habe meine Ruhe vor ihnen.
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![]() Karl kann auch löten |
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Am Freitagmorgen war aber leider Schluß mit der Herrlichkeit, zwei Endstufen zu haben. Ich hatte meine kaum eingeschaltet und das erste Mal CQ gerufen, als sie plötzlich abschaltete und sich wieder verabschiedete. Ein erneuter Versuch Karls, sie nochmal zu reanimieren, schlug leider fehl, und so blieb mir nichts anderes übrig, als wieder auf Karls Endstufe zurückzugreifen. Das Pileup ging lustig wieder, und ein QSO nach dem anderen landete im Log. Kurz vor dem Abendessen gab es jedoch Krach. Der andere Kollege wollte unbedingt wieder mit Endstufe arbeiten. Auch die Argumente, ohne PA ist ein vernünftiger RTTY-Betrieb nicht möglich, und sein Verbleib einer weiteren Woche in Sierra Leone, halfen nicht. Er bestand auf dem Wechsel. Also schaltete ich meine Station ab und ließ ihn die Endstufe abbauen. Für mich kam dann nur noch der Samstag infrage, Funkbetrieb zu machen, denn am Sonntag wollte ich in aller Ruhe alles abbauen und meine Sachen zusammenpacken, sodaß Nick und ich am Montagvormittag nur noch ins Auto zu steigen brauchen, um nach Freetown ins Hotel zu kommen, egal, ob ich die geplanten 1000 QSO’s zusammenfunken kann oder nicht. Am Samstagmorgen hatte sich mein Ärger aber schon wieder gelegt, und nach dem opulenten Frühstück ging es dann endlich an die Station, die aber wieder für den 20m-Betrieb eingerichtet werden mußte. Das Geschäft lief nicht schlecht, und ich hatte tatsächlich bis zum Abendessen um 18:00 Uhr genau 1108 QSO’s im Log. 1000 waren das Ziel gewesen, aber wegen der Dupes machte ich 100 mehr, um auf der sicheren Seite zu sein. Zwischendurch ging ich auch zu PSK über, so langwierig das auch war, und konnte gut 170 QSO’s ins Log schreiben. Da mir irgendeine Einstellung beim UCX-Programm abhanden gekommen war, Dieter, DK4QT, hatte mir das vor der Abreise noch eingerichtet, mußte ich leider wieder auf das MMVARI-Programm zurückgreifen. Das war zwar etwas umständlicher als UCX, erfüllte dann aber vor Ort den gleichen Zweck. In diser Betriebsart die guten Absichten der meisten OM’s in allen Ehren: sie geben den Namen, das QTH, den Locator, ihre Stationsbeschreibung und was es sonst noch so alles gibt, aber ich konnte das alles nicht gebrauchen. Und so schrieb ich freundlich die Bitte, sich kurz zu fassen, weil noch zig andere Stationen auf ein QSO warteten. Als sich das herumgesprochen hatte, ging es dann doch erfreulich schnell.
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| Rückblickend stelle ich fest, daß wir alle ganz fleißig waren. Wir haben uns selbstverständlich nicht dauernd am Strand oder in der Stadt herumgetrieben (außer mir war niemand dort gewesen), sondern es wurde Funkbetrieb gemacht und mit den gegebenen Umständen gekämpft, hauptsächlich mit den Generatoren, der Spannung und dann auch mit dem Mangel an Endstufen. Schaut mal, wie fleißig wir waren. Karl und ich habt ihr ja schon gesehen. | ||
![]() Das ist der Nick, G3RWF, hauptsächlich in CW unterwegs |
![]() ... und das ist der Roland, DJ4LK |
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![]() Diese Mannschaft sorgte für uns. Links Patrick, der Boss |
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Rückreise Roland und Karl hatten beschlossen, schon am Sonntag nach Banana Island zu fahren. Nick und ich hatten ja schon den Flug um eine Woche vorgezogen, weil wir nach Hause mußten. War nur die Frage zu klären, uns schon am Sonntag ebenfalls zu verabschieden oder bis Montag zu bleiben. Wir konnten dann aber eine günstige Mitfahrgelegenheit bekommen, denn Patrick, der Boss von allem, schickte seinen Wagen in die Hauptstadt. Also packten wir unsere Ausrüstung zusammen, ließen allen überflüssigen Kram zurück, verabschiedeten uns und fuhren mit, natürlich auch gegen Bezahlung. Aber zumindest brachte man uns ins Cape Sierra Hotel, welches auf der Nordspitze der Halbinsel im Stadtteil Aberdeen gelegen ist. Leider wußten wir nicht, was uns erwartete, sonst wären wir woanders hingegangen. Schlechter Service, von mittags bis zum späten Nachmittag weder Strom noch Wasser, unansehnliche Räume, aber wenigstens halbwegs sauber, und das alles für 110 US-Dollar. Nicht empfehlenswert. Hinterher erfuhren wir, daß die sowieso dichtmachen und renovieren oder neu bauen wollen. Hier noch ein paar Bilder rund um das Hotel.
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![]() Könnte mal einen Anstrich gebrauchen, das Hotel für 110 Dollar |
![]() Blick über die Bucht auf den Nachbarhügel |
![]() Klein, aber erfrischend |
![]() In diesem Haus wohnte Nick vor 40 Jahren |
Am folgenden Montag kümmerten wir uns nochmal um unsere Rückreise, rekonfirmierten den Flug und fragten bei der Hovercraftstation nach Preisen und Abflugzeiten. Nachmittags verbrachten wir noch einige Stunden am hoteleigenen Schwimmbad, was noch ganz gut im Schuß war. Funkstation aufbauen hätte sich nicht mehr gelohnt, weil wir schon alles eingepackt und verschlossen hatten. Aber Nick hatte auch noch einen Wunsch. Er wollte gerne seine alte Wirkungsstätte besuchen, wo er vor etwa 40 Jahren gearbeitet hatte. Das war kein Problem, denn das College existierte und arbeitete noch. Mit einem Taxi ging es zu dem technischen College, wo Nick den Rektor besuchen und noch eine Geldspende überreichen konnte. |
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![]() Das College heute |
![]() Und so sieht die Zufahrtsstraße aus |
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Am nächsten Vormittag ging es dann nach langem Streit mit dem Fahrer wegen des Fahrpreises per Hoteltaxi zur etwa 300m entfernten Hovercraftstation. Dort gab es den nächsten Streit, nachdem wir unsere Tickets am Schalter gekauft und bezahlt hatten. Etwa 10 Minuten später tauchte dann nämlich die Schalterfrau auf und verlangte noch weitere Dollars, obwohl der Flug laut Aushang 50 US-Dollar kostete. Man käme mit den Umtauschkursen nicht zurecht, weil der Wert des Dollars angeblich stark gefallen sein sollte. Die Dame machte ein Riesengeschrei, und in solch einem wirren Land ist man als Weißer sowieso im Nachteil. Also bezahlten wir noch ein paar Dollar mehr um des Friedens willen. Nick und ich waren jedenfalls stocksauer wegen dieser Sache, aber was sollte man machen. Wir wollten nur noch zurück in die Zivilisation.
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Dann ging es aber nicht etwa weiter. Oh nein, erstmal wurde noch das Hovercraft per Handpumpe aus großen Fässern betankt, weil es ja keinen Strom für die Pumpen gab. Der war ja seit Mittag weg. Mit mehr als einer Stunde Verspätung ging es aber noch doch auf das Gefährt, und nach etwa 20 Minuten, statt der 3 Stunden mit der Fähre. Ein Bus der Fährgesellschaft brachte uns samt Gepäck zum Flughafen, wo uns wieder dasselbe Chaos erwartete wie bei der Ankunft. Die Maschine aus Brüssel ließ auch auf sich warten und kam mit mindestens einer Stunde Verspätung an. Die Sicherheitskontrolle war relativ lasch, aber am Ausgang der Wartehalle mußte man nochmal all das Gepäck aufmachen, Unter dem Vorwand, ob man denn Diamanten herausschmuggele, inspizierten irgendwelche Personen nochmal das Gepäck und kassierten zwei Feuerzeuge ein, die angeblich zu gefährlich an Bord waren. Vielleicht brauchten die gerade welche. Hatten aber Pech mit den fast leeren Dingern. Endlich ging es dann aber doch an Bord, und nachdem die Türen verriegelt waren, gingen die Stewardessen (politisch korrekt heutzutage: Flugbegleiterinnen) mit Sprayflaschen in jeder Hand von vorn bis hinten durch die Gänge und entleerten sie, damit auch ja keine Mücke mit Gelbfieber die Chance bekam, nach Europa einzureisen. Internationale Vorschrift! Dieselbe Prozedur gab es dann nach der Zwischenlandung in Dakar noch einmal.
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![]() Pumpaktion am Hovercraft |
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![]() Da ist der Einstieg |
Um 05:30 landeten wir dann in Brüssel. Dort trennten sich unsere Wege. Nick mußte zum Terminal für London, und ich nach Frankfurt, wo ich dann um 07:30 landete. Beim Zolldurchgang fiel ich natürlich auf. Mit „aus Brüssel“ auf die Frage: „Wo kommen Sie her?“ wollten die beiden Zollbeamten sich nicht zufrieden geben, als sie meine Gepäckstücke sahen. Was blieb mir anderes, als zuzugeben, daß ich in Sierra Leone gewesen war. Da mußte ich natürlich alles aufmachen und herausnehmen, und sogar den Karton mit den beiden Antennen drin mußte ich öffnen. Aber wenigstens hatte man eine Rolle Klebeband, damit ich das wieder zukleben konnte. Ich war dann in Gnaden entlassen und konnte mir draußen endlich eine Pfeife anstecken. Ich ging da nichts Böses ahnend ein paar Minuten auf und ab, als auch dort eine Zollpatrouille auftauchte und mein Gepäck sehen wollte. Das lehnte ich aber ganz kategorisch ab, die Kollegen drinnen hätten schon alles gesehen. Damit gaben sie sich dann zufrieden und zogen ab. Ich schnappte mir ein Taxi und ließ mich nach Dreieich zu den Verwandten fahren, wo es eine schöne Dusche und ein gutes Frühstück gab. Danach machte ich mich auf den Rückweg | |
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nach Hause und fuhr noch bei Walter, DJ6QT vorbei, wo ich meine Endstufe abholte, die er aus Madeira vom Contest mitgebracht hatte. Dann ging es endgültig nach Hause. Nick war ebenfalls unbeschadet zurück, und Roland und Karl waren noch ein paar Tage auf Banana Island und arbeiteten unter harten klimatischen Bedingungen ihre Pileups ab. Trotz einiger widriger Vorkommnisse hat die ganze Sache aber doch viel Spaß gemacht, und am liebsten führe ich bald wieder an den Number Two River Beach. Und wer fleißig mit uns gefunkt hat, kriegt das zur Belohnung | ||
![]() entweder diese oder ... |
![]() ...diese ... oder beide |
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© DL1YFF Photographs by DL1YFF, DK2WV, DJ4LK |
Last Revision 22.02.2009 |